Hans Adolf Halbey
geb. 19. Aug. 1922 in St. Wendel, gest. 8. Mai 2003 in Mainz
Hans Adolf Halbey war ein international agierender Wissenschaftler und belletristischer Autor, der sich schwerpunktmäßig mit Buchkunst und Buchdruck sowie mit dem Genre des Kinderbuchs und der humoristischen Versdichtung befasste.
In seinem Geburtsort Sankt Wendel / Dörrenbach verbringt Halbey nur die ersten sechs Lebensjahre. 1928 zieht die Familie nach Minden (NRW); dort besucht er Grundschule und Gymnasium bis zu einem erneuten Umzug 1936 nach Petershagen a.d. Weser; dort Oberschule in Aufbauform. Noch vor dem Abitur geht er 1940 zur Luftwaffe und bleibt bis Kriegsende als Jagdflieger im Einsatz. „Er hat drei Abschüsse gehabt und ist auch selber dreimal abgeschossen worden… und hatte das Glück gehabt, dass bei den drei Maschinen, die er abgeschossen hat, die Piloten mit dem Fallschirm rauskamen.“ (Gespräch mit dem Sohn, Christoph Halbey, vom Juni 2026). 1947 Nach-Abitur, von 1947 bis 1955 Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und Buchkunde an der wiedereröffneten Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz, dazwischen ein Jahr an der Sorbonne, Paris. 1955 Promotion zum Dr. phil.
Museum
Schon während des Studiums und im Anschluss daran (1954-1957) arbeitet Halbey als Werbeleiter in der Schriftgießerei Gebr. Klingspor in Offenbach a.M. 1957 wird er Direktor des Klingspor-Museum für moderne Buch- und Schriftkunst der Stadt Offenbach; diese Position hat er bis 1977 inne. Er hält international Vorträge und kuratiert Ausstellungen zu Themen aus dem Bereich der Buchkunst. Von 1961 bis 1972 ist er außerdem Dozent an der Bibliotheksschule der Stadt- und Universitätsbibliothek in Frankfurt a.M., von 1971 bis 1990 Lehrbeauftragter, später Honorarprofessor der Goethe-Universität Frankfurt (Neuere Philologien), ab 1973 Dozent an Universitäten und Seminaren in Gießen, Ankara, Beirut und New York.
Im September 1977 wird Halbey zum Direktor des Gutenberg-Museums in Mainz berufen. Diese Position hat er zehn Jahre inne. Zusammen mit dem damaligen Kulturdezernenten der Stadt Mainz, Anton Maria Keim, gelingt es ihm 1987, eine original Gutenberg-Bibel (zwei Bände, die sog. B 42 oder Shackborough-Bibel) für 3,6 Mio DM in New York zu erwerben und der Sammlung des Museums hinzuzufügen.
Wissenschaft
Neben zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen visualisiert und popularisiert Halbey Themen wie Grafik, Typografie, Kalligrafie über 21 Jahre hinweg durch die Herausgabe von Kalendern („Scriptura“). „Jedes Blatt ist in einem anderen Druckverfahren gedruckt worden, auf anderem Papier, zu unterschiedlichen Themen; also 21 Jahre – 21 Themen.“ Diese kalligrafischen Kostbarkeiten werden „bis nach Japan bestellt“. Das Spektrum der Themen reicht von Handschriften berühmter Komponisten bis New Yorker Graffiti, „die die Zeit geprägt haben. Da war er sehr fortschrittlich.“
In den 1970er Jahren kristallisiert sich auch sein Interessenschwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur heraus. So gründet er 1972 den ersten Lehrstuhl für Kinderbuchwissenschaft an der Uni Frankfurt. Von 1974 bis 1978 fungiert Halbey als Präsident des „International Board on Books for Young People“ (IBBY), außerdem ist er Mitglied der Internationalen Buchkommission der UNESCO. Bekannt wird er schließlich auch als Übersetzer der beliebten Kinderbücher des Amerikaners Dr. Seuss (d.i. Theodor Geisel); „The Cat in the Hat“ (1957) beispielsweise wird bei Halbey zu „Der Katz mit dem Latz“. David Fix‘ Erzählband „The Book of Giants“ erscheint in der Übertragung von Halbey unter dem Titel „Riesen sind nur halb so groß.“
Gedichte
Deutschen Lehrern ist Hans A. Halbey auch ein Begriff als Autor von humoristischen Gedichten. „Pampelmusensalat“ beispielsweise („13 Verse für Kinder“) erscheint 1965 und wird bis heute in Schulbüchern abgedruckt. 1978 veröffentlicht Halbey 18 weitere eigene Gedichte unter dem Titel „Es wollt ein Tänzer auf dem Seil / den Seiltanz tanzen eine Weil‘.“ Als Herausgeber versammelt er in dem Band „Schmurgelstein so herzbetrunken – Verse und Gedichte für Nonsens-Freunde von neun bis neunundneunzig“ illustre Namen wie Hans Arp, Hugo Ball, Lewis Carroll oder Heinz Ehrhard und Loriot.
Zu seinem 60. Geburtstag gibt seine Frau, Marianne Halbey, einen Band mit ausgewählten Aufsätzen, Essays, Satiren und Gedichten ihres Mannes heraus („Hans Adolf Halbey – Im weiten Feld der Buchkunst“), der noch einmal eindrücklich „die Vielseitigkeit der wissenschaftlichen und schriftstellerischen Arbeit“ ihres Mannes belegt.
pmk
