Josef Puhl
geb. 8. Okt. 1911 in Reimsbach, gest. 24. Febr. 1999 in Argentinien

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Josef Puhl ist ein aus dem saarländischen Ort Reimsbach (heute Teil der Gemeinde Beckingen) stammender Steyler Missionar. In einem Manuskript berichtet er von seiner Überfahrt mit der Monte Sarmiento von Hamburg zu seinem missionarischen Einsatzort in Argentinien im Jahr 1938.
Der Dudweiler Linguist, Autor und Verleger Erwin Stegentritt ist ein Verwandter des Missionars und hat das Manuskript 2025 in seinem AQ-Verlag veröffentlicht. Es ist ein undatierter Brief an die Lieben in der Heimat, 24 eng beschriebene Seiten, Stegentritt fand einen Durchschlag zwischen Büchern seiner Eltern. Die Schiffsreise auf der Monte Sarmiento dauerte vom 8.9. bis zum 5.10.1938, ein auch für damalige Verhältnisse langsames Tempo, die Stundengeschwindigkeit beträgt 25 km, weshalb die Passagiere das Schiff „lahme Ente“ nennen.
Der Verfasser ist bei der Überfahrt 27 Jahre alt, er hängt sehr an seiner Heimat, zum Nationalsozialismus lässt er an mehreren Stellen seines Briefes Distanz erkennen. Der Reisende ist offensichtlich nicht sehr welterfahren, sein unspektakulärer Bericht ist von Verwunderung über die moderne Welt und die Sitten anderer Völker geprägt. Seine Vorbehalte gegenüber den Juden sind eher vom Katholizismus als vom Nationalsozialismus geprägt. Über die jüdischen Mitreisenden schreibt er: „⁅…⁆ es sind doch immer noch Menschen. Manche waren recht nette Leute, abgesehen davon, dass sie Juden waren, und dafür können sie ja nichts.“ Zur aktuellen Politik heißt es: „Die Lage in Europa ist noch unklar; man befürchtet einen Krieg wegen der Sudetenfrage, und dann?“
Sich und seine Confratres sieht er als Soldaten Gottes: „Sooft wir einen Hafen verlassen haben, haben wir zugleich immer mehr Abschied von der lb. Heimat genommen, um in einen Krieg zu ziehen; um als junge Rekruten die Schlachten des Herrn zu schlagen! Für Christi Reich – – und kehren vielleicht nimmer wieder! Soldatenlos! Vielleicht auch ein Heldentod!“
Beim Landgang in Montevideo besucht er eine saarländische Familie, die hier ein Uhrengeschäft aufgemacht hat. Dann kommen sie in Buenos Aires an und müssen durch die Zollkontrolle: „Es ist ein langweiliges Stehen und Warten wie bei der Saarabstimmung von 1935!“
Kurz nach der Ankunft in Argentinien endet der Bericht. Es heißt noch: „Ich vermisse hier die weiße Blütenpracht des deutschen Frühlings.“ Und: „Hier gibt es nichts von der Traulichkeit der deutschen Weihnacht.“
Josef Puhl stirbt 1999 als Ruheständler in Argentinien, wo er sein ganzes Leben als Missionar verbracht hat. Darüber, wie es ihm dabei ergangen ist, gibt das Buch keine Auskunft. (RP)