Peter Friedrich
geb. 28. Mai 1965 in Wadern
Als 60-jähriger tritt der aus Wadern stammende Peter Friedrich zum ersten Mal als Romanautor hervor und wird gleich für zwei angesehene Literaturpreise nominiert.
Von 1971 bis 1975 besucht Friedrich die Grundschule Wadern in Lockweiler, von 1975 bis 1984 das Hochwald-Gymnasium in Wadern. Anschließend leistet er Zivildienst als Rettungssanitäter auf der Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes in Merzig.
1985 tritt er erstmals literarisch hervor mit einer Veröffentlichung im Selbstverlag zusammen mit anderen jungen Autoren.
1985 bis 1993 studiert Friedrich Biologie und Ethnologie an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau. 1993/94 arbeitet er als freiberuflicher Biologe in Stralsund, 1995 bis 1998 als Wissenschaftlicher Angestellter des Landesamtes für Umwelt und Natur in Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen eines Forschungsprojektes zur zunehmenden Fragmentierung der Landschaft. 1999 Dissertation im Fach Zoologie an der Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald, danach freiberuflicher Biologe in Greifswald.
2005 zieht Peter Friedrich um nach Ettlingen in Baden-Württemberg. „Das Leben als Hausmann und Erzieher dreier Töchter ermöglicht wieder verstärkte literarische Tätigkeit.“ Seit 2009 veröffentlicht er regelmäßig in Literaturzeitschriften und Anthologien, er bewirbt sich erfolgreich um Literaturpreise und Stipendien Textproben auf der Homepage des Autors). 2023 Umzug nach Frankenthal in der Pfalz.
2025 veröffentlicht Peter Friedrich seinen ersten Roman: „Kafkarabesken oder Die Ermittlungen“. Das Buch wird sowohl für den renommierten Glauser-Krimi-Preis in der Kategorie Debüt als auch für den Seraph-Preis für Phantastische Literatur nominiert – obwohl das Buch eigentlich weder ins Genre Krimi noch Fantasy passt.
Der Ich-Erzähler, „nur ein durchschnittlicher Ermittler“ mit vielen Selbstzweifeln, wird von seiner Behörde auf den Fall des spurlos aus seiner Wohnung verschwundenen Franz K. angesetzt. Dieses Kürzel erinnert sowohl an den Namen des schon in Friedrichs Romantitel angesprochenen Schriftstellers Franz Kafka als auch an den Protagonisten Josef K. in Kafkas Roman „Der Prozess“, der sich Ermittlungen ausgesetzt sieht, ohne sich irgendeiner Schuld bewusst zu sein. Peter Friedrich nimmt also die Kafka entgegengesetzte Perspektive ein, nicht die des Objekts behördlicher Maßnahmen, sondern diejenige des Ermittlers.
Die abgewandelten Kafka-Assoziationen sind ein durchgehendes Motiv von Friedrichs Roman, der sich somit von Anfang an auch als ein Stück Literatur-Literatur zu erkennen gibt und bewusst nicht als handelsüblicher Genre-Roman. Dem verschwundenen Franz K. könnte, das legt Friedrich nahe, das gleiche widerfahren sein wie Gregor Samsa in Kafkas berühmter Erzählung „Die Verwandlung“: dass er zu einem Käfer mutiert ist.
Die Ich-Erzählungen von Friedrichs Ermittler wechseln sich ab mit Kapiteln, in denen der Vermisste, ein anderer Hausbewohner, ein Kuckuck, ein Kind oder eine Puppe zu Wort kommen. Von den surrealen Elementen fühlte sich vermutlich die Jury des Seraph-Preises angesprochen. Die Zwischenkapitel sind teilweise schon zuvor als Kurzgeschichten veröffentlicht. Der Autor teil uns dazu mit: Diese Geschichten sind „völlig unabhängig entstanden. Bei einigen habe ich beim Schreiben der ersten Fassung selbst gar nicht explizit an Kafka gedacht. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass diese Geschichten alle etwas Kafkaesken haben, vielleicht weniger im Ton als vom Grundgefühl her. Erst dann kam der Gedankenblitz, diese Geschichten über die Figur eines Ermittlers miteinander zu verknüpfen. Diese Figur des Ermittlers fing beim Schreiben schnell an, zu ‚wuchern‘ und zur Hauptfigur zu werden.“
Friedrichs “Kafkarabesken“ erschöpfen sich nicht in Anspielungen auf Kafka und dem internen Spiel mit Motiven. In der Jury-Begründung des Glauser-Preises heißt es: „Mit den Mitteln eines Spannungsromans erzählt er in einem kaleidoskopartigen Gefüge von menschlichen Abgründen – von Wütenden und Wehrlosen, und von einem Ermittler, der von Scham und Schuld geprägt ist.“ (RP)
