Willi Graf – Weg der Erinnerung

Inge Plettenberg

Foto: BayHStA NL Graf Willi Nr. 132

Foto: BayHStA NL Graf Willi Nr. 132

Im Saarland waren Dudweiler, Elversberg, Merzig und Merchingen Orte, die Willi Graf zusammen mit Freunden besuchte. In Saarbrücken finden sich die Schauplätze seiner Schulzeit und früheren Jugend, als Willi Graf im katholischen Schülerbund Neudeutschland (ND) und im Grauen Orden aktiv war, und die Orte seiner letzten Besuche zu Hause im Dezember 1942 und Januar 1943. Wer sich in der Stadt auf seine Spuren begibt, muss weite Strecken zurücklegen. Willi Graf war viel unterwegs, sehr gerne im Saarbrücker Stadtwald und an der Saar entlang. Vor allem während seiner letzten Aufenthalte über Weihnachten 1942 und am 22. Januar 1943 bewegte er sich quer durch die ganze Stadt.

 

 


Die Stationen – Übersicht
(nähere Informationen: Orte anklicken)

1. Rathausplatz: Rathaus St. Johann
2. Katholisch-Kirch-Straße: Basilika St. Johann
3. Mainzer Straße 30: Johannishof
4. Mainzer Straße/Ecke Hellwigstraße: Das „Befreiungsfeld“
5. Hellwigstraße 15: Jugendkirche Eli.ja
6. Am Kaninchenberg, Zufahrt zum Waldweg
7. St. Arnual, Virchowstraße 7: ehemaliges Heilig-Geist-Krankenhaus
8. Hohe Wacht/Ecke Spichererbergstraße: Gedenkstele für Willi Graf
9. Stengelstraße: Ludwigsgymnasium
10. Hochstraße Saarbrücken-Burbach, Bahnhof Burbach
11. Willi-Graf-Ufer
12. Bismarckbrücke
13. Alter Friedhof SB-St. Johann

10 9 8 11 1 2 3 12 7 13 5 4 6
Willi Graf Bodendenkmal vor der LMU in München

Willi Graf Bodendenkmal vor der LMU in München

Nachbetrachtung

Die wichtigsten Schauplätze des Weges von Willi Graf in den aktiven Widerstand befinden sich in München. An dem Haus, in dem er mit seiner Schwester Anneliese zuletzt wohnte, – in der Mandlstraße 1 (heute Nr. 28) in Schwabing, – wurde eine Gedenktafel angebracht. Außerdem gab es die Wohnung  seiner Freunde und Gefährten aus dem Grauen Orden, Fritz Leist und Wilhelm Krings, in der Siegfriedstraße 18/ III, wo Willi Graf viel Zeit verbrachte. Wo Hans und Sophie Scholl am 18. Februar 1942 das sechste Flugblatt auslegten, erinnert am Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität die DenkStätte Weiße Rose an die sechs hingerichteten Mitglieder der Widerstandsgruppe. Deutschlandweit, auch in Saarbrücken, sind Straßen und Schulen nach Willi Graf benannt. Die Pflegeheim-Dépendance des Langwied-Stiftes in der Großherzog-Friedrich-Straße in Saarbrücken trägt ebenfalls seinen Namen. („Willi-Graf-Haus“).

Wesentliche Schauplätze liegen in weiter Ferne. Wjasma, Gshatsk, Staroje, Kolesniki, Afanasjewka, Petrikowa, Sosnowka: Städte und Dörfer westlich von Moskau, in denen der Sanitäts-Unteroffizier und Hilfsarzt Willi Graf im Sommer 1942 zusammen mit Hans Scholl, Alexander Schmorell und Hubert Furtwängler im Einsatz war. Hier fand er Zugang zur russischen Zivilbevölkerung, deren Vertreibung und Verschleppung er miterlebte. Hier begann sich seine Überzeugung herauszubilden, dass Deutschland einen verbrecherischen Krieg führte, und dass dieser Krieg beendet werden müsse durch den Sturz des NS-Regimes. In seinem Tagebuch vom 13. Juni 1942 bis 15. Februar 1943, das gedruckt vorliegt, sind die Schritte nachzulesen. [1]

[1] Willi Graf, Briefe und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Anneliese Knoop-Graf und Inge Jens mit einer Einleitung von Walter Jens. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag, 1988, S. 35 – 108