Rainer G. Schmidt

geb. 6. April 1950 in Riegelsberg, gest. 9. April 2025 in Berlin

Rainer G. Schmidt stammt aus dem Saarland und lebt als freier Autor und mehrfach ausgezeichneter Übersetzer in Berlin.

Gymnasium in Saarbrücken. Ab 1968 Studium der Germanistik, Kunstgeschichte, Philosophie und Soziologie in Saarbrücken, ab 1970 in Marburg, dort Erstes Staatsexamen. Ab 1976 in Berlin, verschiedene Tätigkeiten (u.a. Rundfunkarbeit) freier Autor und Übersetzer.

Im Jahr 2000 veröffentlicht Rainer G. Schmidt einen Band mit eigenen Gedichten unter dem Titel „Der Fall Schnee“. Nicht in diesem Band enthalten sind Gedichte, die Bezug aufs Saarland nehmen, etwa zur Versetzung der Schlossmauer in Saarbrücken. ZITAT

Das Übersetzen hat für Schmidt Vorrang. 1998 wird er mit dem Paul-Celan-Übersetzerpreis ausgezeichnet. 2022 erhält er die renommierteste Auszeichnung für literarische Übersetzung im deutschsprachigen Raum, den Voss-Preis. In der Begründung der Jury der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung heißt es: „Rainer G. Schmidt […] übersetzt seit vier Jahrzehnten literarisch höchst anspruchsvolle Werke französischer und englischsprachiger Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts ins Deutsche. Oft sind es die weniger bekannten Werke bedeutender Autoren, die er der deutschsprachigen Leserschaft erschließt. […] Eine ausdrucksvolle, ideenreiche und klare Sprache zeichnen seine Übertragungen aus, auch sein großes Gespür für Takt und Rhythmus, für Nuancen und Details, das insbesondere bei seinen Lyrik-Übersetzungen zum Tragen kommt.“

Die meisten von Schmidts Büchern sind Erstübersetzungen und/oder „Entdeckungen“. Dabei besonders hervorzuheben: Herman Melville, Henri Michaux, Victor Segalen, Roger Caillois, Henry David Thoreau, Michale Palmer, Wallace Stevens (Lyrik), Gerald Murnane (ein australischer Nobelpreiskandidat). Als Neu-Übersetzungen zwei Romane von Victor Hugo.

Rainer G. Schmidt starb am 9. April 2025 in Berlin. In einem Nachruf seines Übersetzerkollegen und Freundes Hans Therre heißt es: „Mit der Übersetzung des 12-bändigen Tagebuchs des Amerikaners Henry Thoreau hat er sich vor rund zehn Jahren auf ein ungeheures Vorhaben eingelassen. Fünf Bände sind inzwischen erschienen, und dieser Autor hat ihn nicht nur durch sein Werk, sondern auch durch seine Persönlichkeit tief beeindruckt und beeinflusst. In den letzten Jahren, in denen eine Parkinson-Erkrankung ihm das Leben und die Arbeit schwermachte, sprachen wir oft von den großen Herausforderungen dieser Übersetzung. Mitten in der Arbeit am sechsten Band ereilte ihn der Tod. […] Rainer hat in seinem Leben rund fünfzig sehr anspruchsvolle und schwierige Bücher meisterhaft übersetzt, musste immer um „Brodt und Wein“ (Hölderlin) kämpfen, und am Ende starb er allein und bettelarm in Berlin.“ (RP)